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Hallo liebe Leserin, lieber Leser!

Als ich darüber nachgedacht habe, was ich diesmal im Newsetter für Euch bereitstellen könnte, kam mir ein Erlebnis zu Hilfe. Und so habe ich mich entschieden, diesmal etwas von mir zu erzählen. Es geht um das Thema Wahrnehmung.

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Wenn es das Wetter erlaubt, gehe ich morgens gleich nach dem Aufstehen in den Garten. Manchmal mache ich ein paar Gymnastikübungen. Meine Sehnen und Gelenke sind mir dankbar, wenn ich früh nicht gleich in die Vollen gehe und sie erst ein bisschen dehne und strecke und für den Tag aufwärme. Manchmal stehe ich auch einfach nur auf dem Rasen, fühle die kühle feuchte Erde an den Füßen, die Sonne und den Wind oder den Regen auf der Haut, atme die frische Morgenluft und lausche auf die Geräusche. Ich nehme meine Umgebung wahr - und mich.

Gestern kam dann der Impuls für ein Vorhaben, das ich zwar 'mal anvisiert hatte, aber längst wieder aus den Augen verloren. Es ist nichts Weltbewegendes, dennoch bin ich  sicher, dass sich daraus ein weiterer Schritt ergibt und daraus wieder einer und so weiter.

Dieses Verhalten ist weit entfernt von unserem - ein Leben lang antrainierten - planvollen Denken und Tun. Wir wollen möglichst schon am Beginn den Ausgang eines Vorhabens beeinflussen. Natürlich ist es wichtig, ein Ziel im Auge zu behalten. Aber der Weg dorthin - welcher ist wirklich der beste? Offen sein für Ereignisse am Wegesrand, um eventuell Umwege oder Pannen zu verhindern, können wir das eigentlich noch?

Ich habe für mich herausgefunden, dass ständig wertvolle "Wegweiser" existieren, wenn ich sie erkennen will, offen dafür bin, sie nicht als Fata Morgana abtue. Mittlerweile kann ich mich darauf einlassen, weiß um den Wert solcher "Eingebungen".

 

Das war noch nicht immer so. Ich kenne auch Zeiten, in denen es morgens sehr früh und mit Hektik und vielen ungelösten Aufgaben los ging. Oder wo ich meinte, ich muss jetzt vor der Arbeit schnell noch dies und das erledigen oder noch joggen gehen.

Und irgend wann habe ich gemerkt, dass die wirklich guten Impulse für mein Leben aus ganz untypischen Situationen kamen. Meistens, wenn ich ganz still ohne Ablenkung und konzentriert mich einer Sache widmete. Oder ich verfolgte Gedankengänge, aber einfach so -  ohne etwas erreichen zu wollen, absichtslos. Dies' ist meine Art der Meditation.

Ich weiß, dass in bestimmten Lebensphasen wenig Zeit bleibt für sich selbst. Verantwortung für die Kinder, arbeitsbedingte Trennung vom Partner, Krankheiten und andere Ausnahmezustände beschränken die eigenen Freizeiten. Aber auch hier gilt:

Das wirklich Wertvolle für die eigene seelische und körperliche Gesundheit ist das Gewahrwerden der eigenen Bedürfnisse. Ich lade Dich ein, es öfter einmal zu üben. Es muss nicht lange dauern, aber es zeigt bald seine Wirkung. Halte bei einer Tätigkeit inne und spüre in Dich hinein.
Welche Bedürfnisse hast Du gerade? Und wie gehst Du damit um?
Achtest Du Deine Müdigkeit, Deinen Hunger - oder beim Essen - Dein Sättigungsgefühl?
Oder nimm einmal  wahr, was gerade um Dich herum geschieht. Was macht es mit Dir?

Aus dieser Haltung erwächst Selbstachtung. Der Selbstwert bekommt damit eine andere Basis.
Und mit der Zeit erkennst Du Deine  Einzigartigkeit. (siehe dazu den Artikel im Wittenberger Stadtmagazin INGO)

 

Wahrnehmen ohne zu reagieren, ohne irgend etwas zu tun, ist eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Natürlich nehmen wir wahr, sind aber sofort auch von Gefühlen und Emotionen betroffen. Im Handumdrehen neigen wir zum Handeln oder zumindest doch zum Be-werten.

Je besser wir die Bewertung lassen  können, je besser wir die Projektionen auf die Umwelt, die Menschen und Zustände um uns herum zurücknehmen können, um so näher kommen wir unserer Mitte. Und auch anders herum.

Du kennst ein Rad. Würdest Du Dich auf die Felge eines Rades setzen, wirst Du bei jeder noch so kleinen Bewegung erheblich mitbewegt. Je schneller sich das Rad bewegt, um so stärker wirken die Fliehkräfte auf Dich. Du musst dann einige Energie aufwenden, um Dich überhaupt an Deinem Platz zu halten. Begibst Du Dich jedoch in den Mittelpunkt, also auf die Nabe, kannst Du die große Bewegung zwar beobachten - selbst aber sehr schonend mitgehen.

Nicht Das-da-draußen ist "schuld" an dem Unwohlsein, an unangenehmen Gefühlen und Empfindungen. Das ist nur der Auslöser, nicht aber die Ursache. Es kommt auf die eigene Position und Haltung an. Zugegeben, sie ist nicht immer willentlich zu beeinflussen. Zum Glück gibt es Möglichkeiten, das Un(ter)bewusste zu ergründen und mit in's Boot zu holen.
Die Ursachen für unsere "Befindlichkeiten" liegen in jedem selbst, sie wollen erkannt und beim Namen genannt werden. Und wenn man den weiß, ist die Gefahr gebannt. - Wie beim Rumpelstilzchen. Das war so lange  gefährlich, so lange es unbekannt bzw. unbenannt war.

Spüren und Fühlen, was unseren Empfindungen und Emotionen vorausgeht, sind vorgeburtliche und kindliche Qualitäten. Das Denken ist ein wesentlicher Qualitätssprung und ein Merkmal der Jugend. Der wirklich erwachsene Mensch nimmt wahr und richtet sein Leben entsprechend aus. Das gelingt aber erst, wenn die anderen Merkmale integriert sind. Wenn uns Gefühle nicht mehr überwältigen und wenn der Gedankenstrom auch zur Ruhe kommen kann.
Möchtest Du mehr über diese Zuordnungen wissen? Im Buch "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" geht Wilfried Nelles auf eine philosophische Reise durch die menschliche Entwicklung, sowohl die des Einzelnen als auch der Gesellschaft.

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Vertraut man seiner Wahrnehmung nicht oder nimmt sie nicht ernst, landet man schnell in einer Krise. Man hat das Gefühl, das Leben geht gerade an einem vorbei. Man ist zwar Schauspieler, aber nicht mehr der Regisseur in seinem eigenen Lebensfilm.

Das stete Auf-und-ab in der Natur ist uns gut bekannt. Wir stimmen dem Kommen und Gehen des Tages oder der Jahreszeiten zu. Nur wenn der eine Tag zu Ende geht, kann der neue beginnen.

Und wie sieht es im Leben aus? Stimmen wir auch hier zu? Woraus resultieren die Chancen auf ein neues Lebensgefühl? Sind wir ebenso bereit, kritische Phasen im Leben mit Zuversicht zu durchleben?

Willst Du mehr über Lebenskrisen erfahren? Vielleicht, um sie zu vermeiden, rechtzeitig zu erkennen? Oder auch um zu erfahren, wie Du am besten wieder heraus kommst? Dann könntest Du hier weiterlesen ...

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Und damit möchte ich es heute belassen.

Ich wünsche Dir viel Freude beim Schulen Deiner Wahrnehmung - Möglichkeiten dafür gibt es täglich in Hülle und Fülle.
Und genieße die wunderschönen Frühlingstage mit der großen Fülle, die die Natur zu bieten hat. Der Wonnemonat Mai ist ein wunderbarer Zeitpunkt dafür!

Eine gute Zeit und herzliche Grüße.

Monika

Wittenberg, den 21.05.2016